Mensch, Harald! – über Harald Schwiers

Harald Schwiers ist schon lange bekannt, weit hinaus über Karlsruhe, wo er lebt. Bekannt durch sehr vielfältige Aktivitäten; dazu später.
Unter anderem schreibt er auch für unser kunstportal-bw, wo schon lange ein Porträt über Harald Schwiers geplant war.

Harald Schwiers bei einer seiner Hörstunden | © Foto: M. Theiss

Gleich zwei aktuelle Anlässe haben wir, um dies nun endlich zu realisieren:
Am 07. Juni 2012 fand zum letzten Mal Haralds Hörstunde statt, eine seit Jahren laufende Veranstaltungsreihe im Sandkorn (genauer: im Marotte-) Theater Karlsruhe, wo unser Künstler – immer am ersten Donnerstag des Monats – zu verschiedensten Themen Leseabende anbot. Die Texte dazu hat Schwiers jeweils recherchiert in verschiedensten Archiven. Literarische Überraschungen und anspruchsvolle Unterhaltung waren somit sichergestellt und anders als bei herkömmlichen Leseveranstaltungen waren die Abende niemals trocken:

Dies verhinderten
a) Haralds Humor, der auch mal brutal staubtrocken sein kann, aber je nach Thema gerne ins feucht-fröhliche hineinreicht und
b) Die Bewirtung: regionale Brauereien und Weingüter der Region waren als Sponsoren gewonnen worden.

Das Theater-Studio-Umfeld des Marotte-Theaters verhinderte dabei zum Glück jede “Schenkelklopf-Bierzeltstimmung (“was haben wir gelacht!”), sondern unterstützte die von Schwiers angestrebte Salon-Atmosphäre, die immer ein wenig erinnerte an bürgerliche Kultur im allerbesten Sinne. Bestimmt liegt auch hier ein Grund dafür, dass die Hörstunden zuletzt geringere Resonanz fanden. Nach insgesamt 13 Jahren hat sich wohl dieses besondere Format auch mal verbraucht.

Am 28. Juni 2012 nun beginnt ein neues Projekt von Harald Schwiers:

“Mensch Karle! – Ein unterhaltsamer szenischer Rückblick“

Harald Schwiers im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Szene aus “Mensch Karle!”
© Foto: www.onuk.de

Wir zitieren:
Stationentheater zur Großen Landesausstellung: Baden! 900 Jahre
“Mensch Karle! – Ein unterhaltsamer szenischer Rückblick“
Das Jubiläum “900 Jahre Baden” ist auch für das Karlsruher Sandkorn-Theater in Zusammenarbeit mit dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe und der Baden-Württemberg Stiftung Anlass, sich anhand des Stationen-Theaters „
“Mensch Karle! – ein unterhaltsamer szenischer Rückblick” (Regie und Konzeption Harald Schwiers) mit der wechselvollen Geschichte des Landes augenzwinkernd auseinanderzusetzen.

“Mensch Karle!” beleuchtet die Badische Geschichte aus verschiedenen und manchmal verblüffenden Perspektiven. Es geht dabei nicht um einen historischen Abriss, sondern um den humorvollen und außergewöhnlichen Umgang mit der Geschichte des eigenen Landes.

Sowieso war absolut sicher, daß für Harald Schwiers auch ohne Hörstunden keine Langeweile aufkommen wird, denn wie gesagt, die Vielfalt seiner Aktivitäten ist enorm:

Harald Schwiers im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Szene aus “Mensch Karle!”
© Foto: PR Sandkorn Theater

Firmierend unter dem Namen “AKK/Agentur Kultur und Kommunikation“ war Harald Schwiers früher sehr aktiv im Event-Management und hat aus manchem Unternehmensjubiläum ein besonderes Ereignis gemacht oder die neue Niederlassung einer Automarke auf seine Art eingeweiht.
Heute ist dieser Markt derart professionalisiert und kommerzialisiert, daß Harald Schwiers hier kaum mehr interessante Aufgaben erwartet.

Sein Organisationstalent jedoch bleibt gefragt: die jährlichen gemeinnützigen Kunst-Auktionen des BBK Karlsruhe oder der Aids-Hilfe wickelt Schwiers so professionell und unterhaltsam ab, dass niemand auf seine Unterstützung verzichten will. Die scheinbar perfekte Vernetzung von Harald Schwiers in regionalen Kunst – und Kulturszene ist dabei sehr wichtig:

Oft genug kennt er nicht nur die Namen der Künstler, deren Bilder zur Versteigerung gestiftet wurden. In vielen Fällen kennt er die Leute persönlich oder hat gar, auch das eine seiner Stärken, zu deren Vernissagen bereits Reden gehalten.

Harald Schwiers im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Im Vordergrund: Roman Rothen am Bass
© Foto: www.onuk.de

Im Vordergrund: Roman Rothen am Bass
© Foto: www.onuk.de

Immer mehr aber sind es sein eigenen Veranstaltungen, für die er Zeit und Energie einsetzt: wenn hier in der Region Jazz und Literatur aufeinander treffen, so ist Harald Schwiers nicht nur fast sicher dabei, nein, wahrscheinlich stammen auch Idee und Konzept aus seiner Feder

Dann sind es Inhalte – etwa Texte von Johan Peter Hebel – zu denen Schwiers liest – abwechselnd etwa mit Jazz Improvisationen von Bassist Roman Rothen oder anderen Künstlern, die aufzuzählen wir uns sparen, weil die Liste ständig wächst.

Der große Schwerpunkt in der künstlerischen Arbeit von Harald Schwiers aber ist und bleibt das Theater: In festen und freien Kooperationen mit dem Karlsruher Sandkorntheater hat der überzeugte Badener und Karlsruher als Schauspieler die Welt kennen gelernt. Von New York bis Tiflis – das Sandkorn war ja schon überall.

Und kehrt immer wieder zu seinem Hauptsitz –Karlsruhe – zurück. So auch Harald Schwiers, der anlässlich des derzeit laufenden Jubiläumsjahres 900 Jahre Baden eigens ein Theaterstück entwickelt hat (Idee, Text, Regie: Harald Schwiers, das am 28.06.12. Premiere hat und dann noch 9 weitere Male aufgeführt wird: Das Stationentheater “Mensch Karle!”

Harald Schwiers im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Szene aus “Mensch Karle!” | © Foto: PR Sandkorn Theater

Szene aus “Mensch Karle!”
© Foto: PR Sandkorn Theater

Da das Stück (siehe oben) weitgehend im Freien (im und um das Karlsruher Schloß herum) stattfindet und auch die Schloßgartenbahn dazu eingesetzt wird, weisen wir darauf hin, dass die Vorstellungen bei Regenwetter leider ausfallen müssen.

Als Schauspieler und Theatermacher ist Harald Schwiers Künstler. Seine vielen darüberhinaus gehenden Tätigkeiten aber sprengen diesen Rahmen. Für mich ist Harald Schwiers’’ Kunst eigentlich die Kunstvermittlung:

Sein eigenes Kerngebiet, sein Medium ist die Sprache, sein Hauptgegenstand ist die Literatur. Mit den Mitteln, den Werkzeugen der darstellenden Kunst vermittelt er deren Inhalte bildhaft, in seinen Veranstaltungen im Rahmen von Jazz und Literatur nutzt er die Musik als Vermittlungsform.

Harald Schwiers im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg
Harald Schwiers: Beat Poetry Project
© Foto: artis

Wenn Schwiers wie eingangs berichtet, Kultur und Kommunikation als seinen Aufgabenbereich beschreibt, so sehen wir hier vielleicht keine neue Kunstform, aber wohl doch einen wichtigen Aspekt der Kunst.
In unserer Welt, in der Massenmedien (von TV bis Facebook) die Kultur zu dominieren drohen, braucht es für die Vermittlung ernsthafter künstlerischer Inhalte ganz besonderer Energie und Talente.
Motivierend möchte ich dies zusammenfassen unter brandaktueller Formulierung:

Mensch Harald!
Jürgen Linde im Juni 2012