Mit allen Sinnen – über Katrin Müller

Katrin Müller im Internet:
www.katrinmueller.com
E-Mail: mail@katrinmueller.com


“42” war Katrin Müllers Antwort auf meine letzte Frage, die da lautete “Warum?”
Das muss ich dannn doch kurz erklären. Um ein Künstlerinnenporträt zu schreiben, bedarf es langer Gespräche, die nur ganz selten mal einen kleinen Hauch von Interview haben. So fragte mich Katrin Müller, als ich schon beim Aufbruch war: “Gibt es noch weitere Fragen?”

Katrin Müller | © Foto: Chistian Schlüter

“Warum?” frage ich, um die eigentliche Frage (das Kausalitätsproblem schlechthin) auf den Punkt zu bringen. Mit der Antwort “42”, der absoluten Antwort (auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest aus Douglas Adams’ vierteiliger Trilogie “Per Anhalter durch die Galaxis”) ging der Punkt klar an die Künstlerin Katrin Müller.
Katrin Müller ist Sopranistin und pflegt eine besondere Art, die Luft zu bewegen – sie singt, sie singt Sopran und sie singt, ja, einfach wunderbar.

Selbst mit dem kunstportal-bw zuerst der Bildenden Kunst verbunden, will ich mich einmal mehr mit der – der vielleicht ja grundlegenderen Kunstform Musik befassen. Musik erreicht alle Menschen, alle Generationen – Hautfarbe und Religion spielen keine Rolle. Ich denke, dass Musik sogar alle Lebewesen anspricht. Wer mal miterleben durfte, wie unsere Luna (die schönste und flauschigste Rottweilerin dieses Planeten) auf Musik reagiert, wird dies nicht bezweifeln: Wenn Luna bei mir im Büro ist und Katrin Müllers Gesang von CD beginnt, freut sie sich schwanzwedelnd um dann in kontemplativer Ruhe und in vollständigem Genuss im Hier und Jetzt zu verschwinden.

Katrin Müller im Künstlerinnenporträt im kunstportal-bw
Katrin Müller | © Foto: Klaus Ringhof

“Die Sopranistin Katrin Müller sang herzzerreißend anrührende Plädoyers für die Rettung der Seelen. Schön im Klang, blieb ihre Stimme auch dann noch zu hören, als (…) im Tutti-Forte Gänsehaut-Gefühle erzeugten.”
Kölner Stadtanzeiger, 24.11.2014 (Verdirequiem)

Solche begeisterten Pressestimmen von Musikexperten findet reichlich, wer sich mit Gesang befasst und sich über die Sopranistin Katrin Müller informiert – hier in Baden-Württemberg und längst auch weit darüber hinaus. Wieder eine Parallele zur Bildenden Kunst: hier ist ja immer die Frage, wo hat der Künstler schon ausgestellt, wo stellt er gerade oder next year aus? Wer hier das MOMA, Guggenheim und das ZKM komplett aufzählen kann, wird sich über die Kosten des Taxis vom Bahnhof zum Dreisterne-Hotel keine Gedanken mehr machen.

Katrin Müller im Künstlerinnenporträt im kunstportal-bw
Katrin Müller | © Foto: Stefanie Kusemann

In der Musik ist es ähnlich: Hier wird gefragt: “Wo, mit welchen Ensembles, mit welchen berühmten KollegInnen und Dirigent(Inn?)en hast Du schon gearbeitet?”
Auch, was solche Fragen betrifft, ist Katrin Müller längst auf einem guten Weg:

Unter anderem sang sie die “Hohe Messe in H-Moll” von Bach mit dem Barockensemble L’arpa festante München und den Bochumer Philharmonikern die “Vier letzte Lieder” von Richard Strauss. Durch ihre Konzerttätigkeit arbeitet Katrin Müller mit Dirigenten wie Marcus Creed, Mark Mast, Kord Michaelis, Michael Ostrzyga und Werner Pfaff zusammen. (Website der Künstlerin)

Klangfarben, Lyrik, Bilder (als Assoziationen) – viele Themenaspekte verbinden ja die bildende Kunst, die sonst in unseren KünstlerInnenporträts das Hauptthema ist, mit der Musik, die hier endlich mal wieder in den Mittelpunkt rückt.

Katrin Müller im Künstlerinnenporträt im kunstportal-bw
Katrin Müller | © Foto: Lisa Küssner

Was uns Laien wohl oft nicht klar ist, wie mir aber Katrin Müller anschaulich erläutert, ist professioneller Gesang eine gestalterische, modellierende Arbeit:
Mühelos und überzeugend zieht die Künstlerin Verbindungen von der Musik zur Bildenden Kunst; So spricht sie von einer Musikgestaltung in Form und Farbe und über die vielfältigen Möglichkeiten und Aufgaben, die beim Singen – und beim Vorbereiten/Einstudieren getroffen werden müssen. Und so wie der Maler über seine Werkzeuge/Materialien – die richtige Größe und Art des Pinsels, Acryl, Öl oder Graphit etc, entscheiden muss, entscheidet die Sängerin, wie sie arbeitet.

Der Künstler/Kunsttheoretiker und – philosoph Peter Weibel interpretiert ja sein ZKM als ein Museum der zeitbasierten Künste, zu denen ja Musik und Theater zweifellos gehören. Etwa in der hochgelobten Ausstellung mit Sasha Waltz (2014) wurde erlebbar, wie Malerei und Skulptur, also die raumbasierten Künste, mit Installationen und Performances ganz neue Verbindungen eingehen können. Rhythmus und Bewegung waren hier Wesenselement einer Schau dennoch bildender Kunst.

Rhythmus und Bewegung – vielleicht ist dies die zentrale Verbindung zwischen bildender Kunst und Musik, die ja erst die Luft bewegt und dann uns Menschen.
Und in beiden Fällen ist ja bekanntlich die “Kunst schön, macht aber viel Arbeit” – und für Sängerinnen ist der eigene Körper das Instrument und will fit gehalten werden. Katrin übt an 6 Tagen pro Woche, und wenn sie mal gar “keinen Kopf” fürs Üben hat, geht sie joggen – 6 km in weniger als 30 Minuten!

Katrin Müller im Künstlerinnenporträt im kunstportal-bw
Katrin Müller | © Foto: Stefan Wecker

Wie in der Bildenden Kunst ist auch für SängerInnen das handwerkliche Können eine zentrale Grundlage. Und wo genau beginnt die Kunst? frage ich Katrin:
“Kunst beginnt, wenn Du nicht mehr singst, sondern Sängerin bist”.

Persönlichkeit also zählt, eigener Ausdruck und Stil. Man ahnt, dass dies nicht eben einfach ist, gerade wenn frau als freischaffende Künstlerin ein großes Repertoire bedienen können muss, um genügend Engagements zu bekommen.

So verlangt jedes neue Engagement, jeder “neue” Komponist jeweils eine intensive Vorbereitung und Training für die Besonderheiten, die ihn von den Kollegen unterscheiden. Auch zu Bach auf historischen Instrumenten gespielt, so lerne ich, muss frau durchaus anders singen als wenn dieser Komponist mit modernen Instrumenten gespielt wird.

Katrin Müller im Künstlerinnenporträt im kunstportal-bw
Katrin Müller | © Foto: Christian Schlüter

Ausdruckstark ist nicht nur Katrin Müllers Stimme: wenn die Künstlerin über ihre Arbeit spricht, veranschaulicht sie, was sie erklärt, mit ihrer intuitiven Körpersprache. Bescheiden erklärt sie dieses Talent auf Nachfrage damit, dass sie ja auch unterrichtet: “Stimmbildung“ in Schulen und Einzelunterricht. Auch wer sich professionell auf seine Aufnahmeprüfung für ein Gesangsstudium vorbereiten will, findet mit Katrin Müller eine hochkompetente Trainerin.

Bach, Mozart, Verdi – die Bandbreite ihres Repertoires ist enorm und statt hier noch lange zu texten empfehle ich Ihnen, sich über den nachfolgenden Link zu den
“Hörbeispielen” auf der Website von Katrin Müller ein eigenes “Bild” zu machen.
Am besten sicher so wie die Künstlerin es selbst formuliert:

mit allen Sinnen.
Jürgen Linde im Juni 2016