Jan-Hendrik Pelz: “Square” (1 & 2)

Jan-Hendrik Pelz | „Square” (1 & 2) | Projekt mit Geflüchteten, 2021
21 Objekte / Holz, Öl auf Leinwand


In Kooperation mit Flüchtlingsinitiativen aus Stuttgart sowie derLandeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA) in Ellwangen kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen dem Künstler sowie über zwanzig nach Deutschland geflüchteten Personen, die nun in Baden-Württemberg leben. Die ausgewählten Personen wurden nach der Kontaktaufnahme gemalt und die hierbei entstandenen Leinwände zu Skulptur-Objekten zusammengefügt.

Das Projekt wird gefördert und unterstützt vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (Square 1) sowie von der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Stipendien-Programms „Kultur Neustart“ des BBK-Bundesverbandes (Square 2).

© Jan Hendrik Pelz

Konzept
Die einzelnen Figuren der Arbeit „Square“ wurden in realistischer Ölmalerei und Lebensgröße wiedergegeben undwurden aus jeweils sechs bemalten Leinwänden gefertigt. Die involvierten Personen wurden nicht nur durch die Möglichkeiten der Ölmalerei dargestellt, sondern in einem zweiten Schritt auch dreidimensional als Sitzende nachgebildet. Durch die Anordnung der Gemälde entstanden Abbilder sitzender Personen, wobei sich die scheinbare Plastizität der Figuren bei genauer Betrachtung auflöst. Hierbei verschwimmt die Grenze zwischen Malerei und Skulptur und hinterlässt eigenständige Objekte, die sich nur auf den ersten Blick als realistische Darstellungen präsentieren. Im Spiel mit der Illusion hinterfragt die Arbeit durch die eigenwillige Darstellung der Körperlichkeit und das Brechen von Proportionen und Perspektiven die Grenzen des Mediums Malerei.
„Square“ zeigt die hier angekommenen Menschen, die nun ein Teil unserer Gesellschaft und Kultur geworden sind.
Der Betrachter wird den abgebildeten Menschen gegenübergestellt und dazu eingeladen, sich mit diesen auseinanderzusetzen. Die dargestellten Personen wirken entspannt, in sich gekehrt und halten die Augen geschlossen, wodurch eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre entsteht. Neben der Bedeutung ihres Tuns bleibt dabei auch offen, was die beieinander sitzenden Menschen zusammenführte und was sie verbindet.

Die Gemalten werden weder zur Schau gestellt noch findet eine Wertung über die (nüchterne) Art und Weise der Malerei statt; Vielmehr wird sich der Betrachter beim Betreten des Raumes, in dem sich „Square“ befindet, zu allererst als Hinzugekommener verstehen, der Teil einer stillen, konzentrierten Zusammenkunft wird. Es soll zu Verständnis und einer Übereinstimmung kommen, die ein Teilwerden zulässt. Durch das Erkennen von Verbindungen sowie Gemeinsamkeiten lässt der erste Eindruck des Fremdseins nach, während Ähnlichkeiten in den Vordergrund rücken.
„Square“ – übersetzt als „Platz“, das „mit vier Seiten Umrissene“ oder auch „Karree“ – ein abgegrenzter Ort, der die Geflüchteten aufnimmt und der ihnen zur Verfügung gestellt wird, trägt auch eine Geschlossenheit und Abgegrenztheit in sich, die von unserer Gesellschaft vorgegeben wird. Doch die Auflösung dieser Grenzen entsteht durch die Anteilnahme und das Interesse der Personen, die sich außerhalb des „Square“ befinden – hier wird darüber entschieden, wie wir mit neuen Mitgliedern unserer Gesellschaft umgehen. Den Besuchern bleibt es überlassen, ob sie sich außerhalb des neudefinierten, quadratischen Raums aufhalten oder in dessen Mitte treten.