GFjK Baden-Baden | 01.02. – 15.03.2026 | Günter Wagner

Quiescens in motu – Ruhend in Bewegung, war bereits 2013 der Titel einer Doppelausstellung der Bildhauer Mauro Staccioli und Günter Wagner in Bruchsal und in Volterra, die beide Künstler bereits ein Jahr zuvor bei Ihrem Treffen in der Toscana gemeinsam konzipiert hatten. Wie Günter Wagner mit seinen bevorzugten Materialien Eisen und Glas, so schätzt auch Mauro Staccioli die Dualität des Materials. Beton und Eisen waren die bevorzugten Materialien des inzwischen leider verstorbenen italienischen Künstlers, der wie sein deutscher Kollege in streng geometrischen Formen gearbeitet hat.
Wagners Arbeiten aus patiniertem Gusseisen, Stahl und Glas bieten in ihrer Gegensätzlichkeit – leicht, zerbrechlich, durchsichtig und spiegelnd das eine, schwer, kompakt und mit einer reizvollen, oftmals roh belassenen Oberfläche das andere – eine denkbar große ästhetische Spannweite, welche nicht nur zu überraschenden sinnlichen Effekten führt, sondern auch gängige Denkmuster durchbricht, aufhebt und eine existentielle Bipolarität anschaulich macht, in der nichts so ist wie es scheint. Wie kann eine dünne Glasplatte den festen Eisenquader in der Arbeit „Gebremster Fall“ nicht nur auffangen sondern sogar einschneiden? Es will scheinen, als sei die Materialspannung des Glases stärker als das Gewicht des Metalls, so als ließe sich martialische Gewalt durch etwas aufhalten, das nach außen schwach und verletzbar wirkt. Im „Kantbruch“ wird dieser Eindruck bestätigt: Der gusseiserne Quader in Form einer Granit-Stele könnte beim Aufprall auf den Glasblock auseinandergebrochen sein. So wird auch hier die vorangegangene Bewegung im Arrangement der zweiteiligen Arbeit anschaulich – quiescens in motu.
Dass doch ist, was nicht sein kann, also das Spiel mit alltäglichen Erfahrungen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die Lust am Täuschen, das unsere Sehgewohnheiten ad absurdum und den Verstand in die Irre führt: Das ist ein durchgängiges Thema bei Günter Wagner, das er in verschiedenen Werkkomplexen immer wieder aufgegriffen hat; sei es, wenn ein Glassockel das enorme Gewicht eines massiven Eisenwürfels stemmt, sei es in den Labyrinth-Arbeiten der letzten Jahre.
Auch das Labile, das latent Gefährdete, das nur in exakt der gezeigten Position standhält und potentiell jeden Moment kippen kann, ist bei Günter Wagner sowohl formal ein wichtiges Motiv als auch inhaltlich eine Kernaussage zur Prozesshaftigkeit allen Seins, das in ständigem Fluss, in fortdauernder Bewegung ist und einen Zustand nur als Momentaufnahme gibt wie in „Versetzte Last“ oder „Wandlehnung“ – quiescens in motu.
(Martina Wehlte)