Bettina Baur und Roland Bentz | 07. – 30.07.2026 | Karinthy Szalon Galerie, Karinthy Frigye | Radierkunst und Materialbilder von Bettina Baur (Ammerbuch) und Roland Bentz (Bietigheim)

Ausstellungsdauer: 08.–30. Juli 2026
Vernissage: Dienstag den 07. Juli, 18 Uhr
Einführung: Dr. Ralf Michael Fischer, Kunsthistorisches Institut, Universität Tübingen

Karinthy Szalon Galerie, Karinthy Frigyes út 22, 1111 Budapest

Vom 07. bis zum 30. Juli vertreten die Künstler Bettina Baur und Roland Bentz, Mitglieder des Künstlervereins Künsthöfe in Bad Cannstatt, die Stadt Bad Cannstatt mit einer gemeinsamen Ausstellung im Karinthy Szalon im Budapester Stadtbezirk Újbuda.

Der Künstleraustausch zwischen Bad Cannstatt und Újbuda besteht seit 1996 und zählt zu den kontinuierlichsten kulturellen Kooperationen beider Städte. Initiiert wurde er von Bürgermeister Dr. Gerhard Lang, Bezirksvorsteher HansPeter Fischer und Irene Schmid; später wurde er durch Oberbürgermeister Wolfgang Schuster nachhaltig gestärkt. Das Kunsthöfle pflegt diese Verbindung bis heute.

Unter dem Titel „Mikro–Makro“ begegnen sich zwei künstlerische Positionen, die die Welt aus gegensätzlichen Blickwinkeln erfassen und in eine jeweils eigene Bildsprache übersetzen.

Bettina Baur, in Tübingen geboren und seit zwei Jahrzehnten mit einer Kunstschule in AmmerbuchBreitenholz tätig, entwickelt ihre Arbeiten aus der präzisen Beobachtung struktureller und rhythmischer Details. Linien, Flächen und Texturen werden herausgefiltert, bis das Motiv in einer konzentrierten, oft lyrischen Verdichtung erscheint. Ihre langjährige Auseinandersetzung mit Radierung und Holzschnitt – geprägt durch Weiterbildungen u. a. bei Helmut Anton Zirkelbach und Frederick Bunsen – führt zu einer Bildsprache, in der das Wesentliche nicht abgebildet, sondern herauspräpariert wird: als feines Geflecht von Spuren, Schichtungen und formalen Setzungen.

Roland Bentz, Meisterschüler der Karlsruher Kunstakademie und Erfinder des „Materialdrucks“, arbeitet dagegen aus einer motivischen Fülle heraus. Seine Bildwelt umfasst vor allem Insekten, architektonische Fragmente und spielerisch verfremdete Tierwesen, die in farbstarken, oft humorvollen Kompositionen auftreten. Bentz beobachtet präzise organische Formen und Bewegungen, die sich zu farbkräftigen, voluminösen Gestalten verdichten. Sein Materialdruck – mit Pappen, Blechen, Plastikteilen oder industriellen Versatzstücken – erzeugt eine experimentelle, erzählerische und überraschend lebendige Bildfläche. Seine Tierwesen treten wie eigenständige Persönlichkeiten hervor, deren aus Farbe und Form gewobene Körper in einen tänzerischen Ausdruck übergehen.

Zwischen beiden Positionen entsteht ein spannungsreicher Dialog:

Während Baur das Motiv durch Reduktion erschließt und seine inneren Strukturen sichtbar macht, entfaltet Bentz das Motiv durch Überfülle, durch ein spielerisches Ausgreifen in Farbe, Material und Figur. So zeigt die Ausstellung, wie unterschiedlich künstlerische Wahrnehmung die Welt hervorbringen kann – als konzentrierte Spur oder als eruptive Erscheinung.