Kunstausflüge mit Sigrid Balke | Ausstellung im Neuen Kunstmuseum Tübingen: 22.10.2026. – 04.02.2027: | Ronnie Wood. The Artist

Seine musikalische Berühmtheit steht außer Frage und für Musikliebhaber und Rolling Stone-Fans ist allein das schon ein Grund die Ausstellung Ronnie Woods.The Artist im Neuen Kunstmuseum Tübingen (NKT) zu besuchen. Wer Ronnie Wood als Künstler kennt, hat die einmalige Gelegenheit, die bislang umfassendste Ausstellung seiner Werke zu entdecken. Wer ihn vor allem als Musiker kennt, begegnet einem bildenden Künstler, der dieselben Lebenserfahrungen auf ganz unterschiedliche Weise zum Ausdruck bringt – musikalisch wie malerisch.
Fest steht, dass Ronnie Wood kein Musiker ist, der nebenbei malt, sondern ein bildender Künstler mit einem umfangreichen Œuvre. Geprägt von seinen beiden älteren, ebenfalls kreativ tätigen Brüdern, wurde sein künstlerisches Talent bereits früh gefördert. Als seine Karriere in der britischen Rockszene Fahrt aufnahm, brach er sein Kunststudium ab, hörte mit der Malerei jedoch nie auf.
Seither durchdringen sich beide Welten. Sie begegnen sich in den Motiven, den Arbeitsweisen und den persönlichen Beziehungen, aber auch in der Art, wie Wood seine Erlebnisse verarbeitet und in Kunst übersetzt.

Die Ausstellung im NKT mit Werken aus sechs Jahrzehnten und ist in fünf Themenbereiche strukturiert. Ein großer Bereich umfasst Arbeiten aus der Rock- und Popgeschichte, die unmittelbar mit seinem musikalischen Alltag verbunden sind. Beziehungen durch Bands, Tourneen, Studios und gemeinsame Auftritte liefern Wood Stoff für Porträts und Darstellung von Bühnenauftritten. Wenn Wood sie malt, entstehen daraus Momentaufnahmen voller Dynamik und Präsenz. In Porträts von Musiklegenden wie Jimi Hendrix verdichten sich persönliche Begegnung, Erinnerung und künstlerische Interpretation. Als Zeitzeuge, Musiker und bildender Künstler schafft Ronnie Wood eine ganz eigene visuelle Chronik der Rockgeschichte. Seine Bekanntheit und die öffentliche Resonanz seiner Werke sind dabei das eine, das andere ist ihre kunsthistorische Bedeutung, die sich unabhängig davon am Werk selbst messen lassen muss.
Ein weiterer Schwerpunkt ist Ronnie Woods Auseinandersetzung mit berühmten Künstlern – von Caravaggio, Delacroix und Turner bis zu Braque, Beckmann und Picasso. Unter dem Begriff „Paint Bombing“ beschreibt Wood seine Methode, sich gewissermaßen in bestehende Bilder hineinzumalen..Er greift Motive und Formensprachen auf, um sie insbesondere bei den Alten Meistern mit seiner eigenen expressiven Handschrift neu zu interpretieren. Die Präsentation in antiken Rahmen verstärkt den Bezug zu seinen Vorbildern und setzt zugleich die Irritation des Betrachters bewusst als Stilmittel ein.

Die künstlerische Qualität der Bilder ist durchaus unterschiedlich, was einen differenzierten Blick auf den Künstler Ronnie Wood ermöglicht. Wo Wood Szenen der Rockgeschichte festhält oder sich mit kunsthistorischen Vorbildern auseinandersetzt, überzeugt seine Malerei durch Ausdruck und Lebendigkeit. Seine Aktstudien zeigen den Blick des Künstlers für das Wesentliche, aber in manchen freien Arbeiten überwiegt der kreative Impuls des Malens gegenüber kompositorischer Stringenz und einer tragfähigen Bildidee.
Auch medial zeigt sich Woods breite künstlerische Praxis. Die Ausstellung vereint Aquarelle, Druckgrafiken, plastische Arbeiten, Federzeichnungen sowie großformatige Acryl- und Mixed-Media-Arbeiten. Thematische Bereiche wie Tierbilder, abstrakte Arbeiten, Aktstudien und „A Variety of Awarenesses“ – eine humorvolle Darstellung unterschiedlicher Wahrnehmungen – die Vielfalt seiner Motive und Techniken vor Augen.
Highlight zum Schluss: die berühmten Stone flies in Bernstein haben vorübergehend ihren Weg vom Naturkundemuseum ins NKT in Tübingen gefunden und ergänzen die Ausstellung.
Die Bezeichnung Stoneflies meint im Englischen Steinfliegen. Paläontologen beschrieben sieben neue Arten aus etwa 98 Millionen Jahre altem burmesischem Bernstein – und benannten sie nach Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern der Rolling Stones. Durch die wissenschaftliche Namensgebung sind die Rolling Stones auch in der Paläontologie verewigt
Ausstellungsdauer bis 14. Februar 2027
www.nkt.de
