Intuition vielleicht? – über Astrid Hansen

Astrid Hansen, Foto: privat
Astrid Hansen im Internet:
Website: http://www.astridhansen.eu/
E-Mail: astridhansen@posteo.de
Fon: 0721/4703513


nicht schwarz nicht weiß | © Astrid Hansen,; VG Bildkunst Bonn 2020

Ich hatte gerade Keith Jarretts “Vienna Concert” eingelegt, als ich Astrid Hansens Website (www.punkteschau.de) entdeckt hatte und das wunderbare Bildquartett “nicht schwarz nicht weiß“ vor Augen.Langsamkeit und Tiefe, Schwermut und eine – ja: elementare Lebendigkeit.
Diese Bilder und diese Musik bleiben nun für mich unmittelbar verbunden.

balance, noch zögernd, intuition, vielleicht – die Namen von vier weiteren – auch als Quartett präsentierten – digitalen Fotografien, die ich hier entdecke, zunehmend begeistert von den malerischen Qualitäten dieser fotografischen Kunst.
Allein diese Namen: schon eine kleine Freude.

Neben unseren gewohnten Fragen nach den Grenzen und Übergängen zwischen den verschiedenen Kunstformen (etwa zwischen Malerei und Musik) – und Medien bleibt auch spannend, die Übergänge verschiedener Formen innerhalb der Bildenden Kunst zu untersuchen. Fotografie und Malerei scheinen ja nicht extrem weit voneinander entfernt zu sein.

allda 2007; 81 x 101 cm (Auflage 5) | © Astrid Hansen,; VG Bildkunst Bonn 2020

Bei den Fotokünstlern der Karlsruher Schule beobachten wir einen “Gegentrend” – zurück zur analogen – und teilweise sehr experimentellen – Fotografie. Astrid Hansen hingegen entwickelt – mit einiger Begeisterung auch für die praktischen Vorteile der digitalen Fotografie – deren gestalterisch-kreative Möglichkeiten. Und dies auf ganz eigenen und ausgesprochen malerischen Wegen.

Mit puristischen Vorbehalten gegenüber der digitalen Technik kann die Künstlerin nichts anfangen: Digitalkamera und Computer sind für sie letztlich nur Werkzeuge zur künstlerischen Gestaltung so wie Pinsel oder Rakel etc.

davor (1 von 2), 2008
30 x 30 cm (Auflage 12) | © Astrid Hansen,; VG Bildkunst Bonn 2020

Verständlich, daß sich die Künstlerin bedeckt hält, was ihre Motive und die exakte Arbeitsweise angeht, weil die Gefahr der Nachahmung groß wäre. Ich erfahre jedoch, daß der künstlerische Blick ausschlaggebend ist: “90% meiner Bilder entstehen in der Kamera, bestenfalls 10% in der Bearbeitung“erklärt Astrid Hansen.

Nur ganz selten werden dabei Farben verändert, oft aber trägt die Änderung des Formats entscheidend bei zum Endprodukt.

Neben der Digitalkamera ist dann natürlich der Fine-Art-Printer ein wichtiges Arbeitsgerät: Kleinere Formate bis 40 x 30 cm kaschiert Astrid Hansen selbst auf Aludibondplatten; ihre großen Arbeiten gibt sie dann in die entsprechenden Fachbetriebe. Ein spezielles Spray schützt und konserviert die Qualität der Farben für viele Jahre.

Überhaupt legt Astrid Hansen erfreulich großen Wert auf die professionelle Präsentation ihrer Arbeiten – kaschiert auf Aludibond, das sieht edel aus und ist auch haltbar, strahlt eine Wertigkeit aus, die das Kunstwerk sehr ansprechend macht.

balance, 2008; 30 x 30 cm (Auflage 12) | © Astrid Hansen,; VG Bildkunst Bonn 2020

Wir werden uns sicherlich weiterhin fragen, mit welchen konkreten Motiven Astrid Hansen ihre digitale Malerei bewerkstelligt. Doch während wir gleichzeitig diese Kunst genießen, ahnen wir, daß es wahrscheinlich weder notwendig noch sinnvoll ist, dieses Geheimnis zu lüften.

Wie sie das macht?
intuition vielleicht

Jürgen Linde im Juli 2008