…wo Menschen auch vorkommen – Thomas Hegers Kunst

Aktuelle Ausstellungen und Projekte von Thomas Heger:

Thomas Heger, | © Foto: privat; Bild: Thomas Heger, VG Bildkunst Bonn, 2021

Thomas Heger im Internet:

http://www.thomas-heger.de
Mail: atelier@thomas-heger.de

…wo Menschen auch vorkommen – Thomas Hegers Kunst
Seit mehreren Jahren schon erhalte ich Thomas Hegers Newsletter, in welchem er über seine aktuellen Projekte und Ausstellungen informiert. Beeindruckt und neugierig geworden aufgrund seiner immer interessanten Werke und auch aufgrund der Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Arbeit, habe ich den Anfang November erhaltenen Newsletter zum Anlass genommen, endlich Kontakt aufzunehmen zu dem Künstler, der in Stuttgart lebt und arbeitet:.

showwindow Stuttgart; Tag 25
© Thomas Heger, VG Bildkunst Bonn, 2021

Malerei und Zeichnung, Kunst am Bau, Skulptur und Fotografie – in allen Sparten besetzt Thomas Heger jeweils eigene Positionen. Den Überblick über das Gesamtwerk des Künstlers können wir hier in diesem Porträt-Format nicht leisten, aber eine Tour durch die Website des Künstlers zeigt deutlich, dass er in all diesen Genres jeweils seine ganze eigenständige Linie und Form gefunden hat.

Zurück zum showwindow-stuttgart: Am Sonntag, dem 07. November 2021 schrieb Thomas Heger:

… Mein ausgewähltes Kunstprojekt heißt Alltag-alle Tage.
…Es ist ein Kunstprojekt, das in der Ausstellungsplattform showwindow-stuttgart gerade einen Monat lang umgesetzt wird.
Rund um die Uhr werden einen Monat lang von mir Arbeiten präsentiert, die während der Zeit der Pandemie entstanden sind.
Sie werden mit Gegenständen des Alltags kombiniert, die eine Möglichkeit der Kommunikation mit den Werken suchen. Kunst entsteht immer im Alltag. Wenn sie nicht die Gelegenheit haben das Projekt vor Ort wahrzunehmen, können sie nahezu live das Entstehen der Bildstrecke im Netz verfolgen.
www.showwindow-stuttgart.de

Seinem Studium an der Freien Kunstschule Stuttgart folgten noch einige Jahren an der Stuttgarter Kunstakademie,. Später war Thomas Heger auch selbst bis 2012 einige Jahre als Kunstprofessor (Burg Giebichenstein) tätig und unterrichtet seither an der Kunstschule Nürtingen. Im Gespräch wird klar, dass dem Künstler auch die Kunst-Vermittlungs-Arbeit sehr wichtig ist.

“Kleine Welt 5”, 2007
© Thomas Heger, VG Bildkunst Bonn, 2021

Unter dem Titel “Nachbilder” war im Jahr 2019 eine hochinteressante Ausstellung von Thomas Heger in der Städtischen Galerie Ostfildern zu erleben. Holle Nann, die Kuratorin und Galerieleiterin schrieb in ihrem erhellenden Katalogbeitrag dazu abschließend:
Es gilt, Unausgesprochenes hervorzuholen, Verborgenes zum Vorschein zu bringen und zu erhellen wie bei einem Nachbild. Raffiniert baut Heger solche Phantomflächen immer wieder in seine Bilder ein. Farblich intensivierte Formen fordern den Betrachter auf, diese für die Komposition wichtigen Flächen zu fokussieren.

Aber Heger erweitert den Begriff Nachbilder zusätzlich: Er will, dass der Betrachter Bildelemente so bewusst aufgreift, dass er imstande ist, aus den Vorbildern eigene Nachbilder zu erstellen, sie im Bewusstsein nachwirken zu lassen.
Holle Nann, 2019

Thomas Heger in seiner Ausstellung “Nachbilder”, Ostfildern 2019
© Thomas Heger, VG Bildkunst Bonn, 2021

Erfahrene kunstportal-bw-Leser wissen, dass ich selbst Kunstvermittlung durchaus auch als Kunst begreife, doch Thomas Heger ist zuerst Künstler. Mit dem showwindow-Projekt hat er eine eigene und neue Form gefunden, die es ihm erlaubt, alle oben aufgelisteten Arbeitsbereiche integrativ einzubringen und die täglich neu entstehenden “Schaufenster-Bilder“ mit dem Alltag zu verbinden und den Menschen nahe zu bringen. Dieses Projekt wird im Laufe diesen Jahres fortgesetzt werden.

Und genau hier finde ich endlich, trotz des nur schwer überschaubaren Gesamtwerks Hegers, (m)einen “roten Faden“: was mich an den Arbeiten Hegers besonders anspricht, sind vor allem zwei Aspekte:

“Grund 2”, 2013, 100 x 100cm
© Thomas Heger, VG Bildkunst Bonn, 2021
  • der besondere Duktus: die oft breiten Pinselstriche wirken fast wie ein Markenzeichen des Künstlers; die Farbigkeit und die detailverliebte Differenziertheit sowohl farbigen Bilder als auch der Zeichnungen lassen uns Betrachter an der sensiblen Wahrnehmung des Künstlers teilhaben. Genaues, vielleicht auch ein besonderes Sehen ist ja eine Grundvoraussetzung der Arbeit als bildender Künstler.
  • die menschlichen Figuren in Hegers Bildern:  hier glaube ich, einen Wesenskern gefunden zu haben in der Arbeit Hegers, der in dem weiten Bereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion längst seine ganz eigene Position entwickelt und ausgearbeitet hat: Menschen erscheinen in vielen seiner Bilder, durchaus figurativ deutlich, aber immer relativ klein in ihrem Verhältnis zu der sie umgebenden Welt.

Nun tritt Thomas Heger sicher nicht als Weltverbesserer auf; er ist keiner, der politische Botschaften verkündet. Stattdessen zeigt er uns Teile der Wirklichkeit, Farben, mal mikroskopisch und mal makroskopisch anmutend, Aspekte unseres Alltags, unserer Wirklichkeit.

Hegers Kunst, dies ist meine ganz persönliche Empfindung, macht damit etwas sichtbar, was wir Menschen erst mühsam lernen müssen: die Welt ist vielfältig: mal eckig, mal rund, oft farbstark und manchmal auch ganz anders.

Hegers Kunst erzählt uns Menschen von der Welt und über die Kunst bringt er uns sowohl die Welt als auch die Kunst näher.

Solo, 2017, 50 x 70cm, Papier
© Thomas Heger, VG Bildkunst Bonn, 2021

Menschliche Figuren kommen in vielen Bildern Hegers vor, doch oft scheinen sie fast zu verschwinden.

Persönlich jedoch erscheint mir gerade dies zeitgerecht: eine gewisse Bescheidenheit gegenüber der Natur, gegenüber der Schöpfung, ist notwendig.
Vielleicht in diesem Sinne erzählt uns Thomas Heger von einer Welt, in der Menschen auch vorkommen.

“Lavendelgulli”, Seife, 2004
© Thomas Heger, VG Bildkunst Bonn, 2021

Jürgen Linde im Januar 2022