Jakob Wilhelm Fehrle | Mit offenen Sinnen für das Neue – Pariser Zeit

27. November 2021 – 07. August 2022: | Museum im Prediger Schwäbisch-Gmünd

Jakob Wilhelm Fehrle, Louise, 1912, Bronze, H 70 cm, Sammlungen Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

Der Gmünder Bildhauer, Maler und Zeichner Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974) hat in seinem beinahe 90 Jahre währenden Lebenswerk nahezu alle Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts reflektiert. Zentrales Thema seiner Kunst war die Darstellung des nackten weiblichen Körpers, zunächst in der Zeichnung und Malerei, dann vor allem aber als vollplastisches Werk – in Gips und Ton modelliert, in Stein gehauen oder in Bronze gegossen. Wesentliche Impulse dazu erhielt er während seiner international ausgerichteten künstlerischen Ausbildung als Maler und Bildhauer. Wichtige Stationen des Zwanzigjährigen waren zunächst Berlin, München und Rom.

Die prägendsten Jahre jedoch verbrachte er in Paris, wo er von 1911 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 am Montparnasse ein Atelier unterhielt. Hier arbeitete er für die berühmten französischen Bildhauer Auguste Rodin und Aristide Maillol und lernte Künstlerkollegen wie Georg Kolbe, Wilhelm Lehmbruck, Pablo Picasso und Paul Klee kennen. „Mit offenen Sinnen für das Neue“, so Fehrle rückblickend, fand er in Paris zu einer eigenen, charakteristischen Formensprache.

Aristide Maillol (1861–1944), Badende, um 1898, Bronze. © Kunsthalle Hamburg

Spektakuläre Neufunde aus Fehrles Pariser Atelier
In der Vorbereitung der Ausstellung konnte das Museum im Nachlass des Künstlers einige höchst spannende Objekte aus der Pariser Zeit Fehrles entdecken und als Leihgaben sichern. So sind neben sehr aufschlussreichen Skizzenbüchern und Atelierfotos auch einige von Fehrle selbst zusammengestellte Mappen aufgetaucht, in denen er seine in Paris geschaffenen Werke fotografisch dokumentiert hat. Auf diese Weise lässt sich das Œuvre des Künstlers in dieser prägenden Zeit erstmals rekonstruieren. Darüber hinaus können wir eine bislang unbekannte Statuette ausstellen, die Fehrle als Dankesgabe von Aristide Maillol erhalten hat.

Ziele der Ausstellung

Mit dem Ausstellungsprojekt verfolgt das Museum zwei Ziele: Zum einen soll anhand exemplarisch ausgewählter Skulpturen und Gemälde der zentrale stilistische Einfluss, den die Jahre in Paris auf Fehrles Schaffen ausübten, vertiefend beleuchtet werden – und das zum ersten Mal. Den Werkbestand des Museums bereichern Leihgaben: zum einen aus dem Nachlass des Künstlers, zum anderen aus renommierten Museen, darunter Skulpturen von Aristide Maillol (Kunsthalle Hamburg) und Wilhelm Lehmbruck (Angermuseum Erfurt). Zum anderen geht es darum, auf das einzigartige Künstleratelier von Jakob Wilhelm Fehrle auf dem Zeiselberg, in dem der Künstler bis wenige Tage vor seinem Tod gearbeitet hat und das heute unter Denkmalschutz steht, aufmerksam zu machen und für dessen Erhalt zu werben.

Biografie:
@ Für die Bildrechte: Amt für Medien und Kommunikation Schwäbisch Gmünd

Jakob Wilhelm Fehrle wurde 1884 in Schwäbisch Gmünd geboren. Nach einer Lehre als Ziseleur in der Firma Erhard & Söhne (1899–1903) ging er zunächst nach Berlin, wo er in der Werkstatt des Bildhauers Wilhelm Widemann arbeitete und an der Kunstakademie bei Paul Friedrich Meyerheim studierte (1904–1905). Auf das Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Balthasar Schmitt (1906–1909) folgte ein Studienaufenthalt in Rom (1909–1910). 1911 zog er nach Paris, wo er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 am Montparnasse ein Atelier unterhielt. Von 1914 bis 1918 nahm Fehrle als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. In den Kriegswirren ging sein Frühwerk verloren. Gleich nach dem Krieg zog er im Jahr 1918 zurück in seine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd, wo er bis zu seinem Tod ein eigenes Atelier unterhielt.
Anlässlich seines 70. Geburtstags erhielt er 1954 aus den Händen seines Freundes, des Bundespräsidenten Theodor Heuss, das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Eröffnung: Freitag, 26. November 2021, 18 Uhr