Jakob Wilhelm Fehrle | Mit offenen Sinnen für das Neue – Pariser Zeit

27. November 2021 (verlängert) – 07. August 2022: | Museum im Prediger Schwäbisch-Gmünd

Jakob Wilhelm Fehrle, Louise, 1912, Bronze, H 70 cm, Sammlungen Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd. © Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd

Die weibliche Aktfigur war das Hauptmotiv im Werk des Gmünder Bildhauers, Malers und Zeichners Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974). Am nackten weiblichen Körper hat Fehrle in seinem beinahe 90 Jahre währenden Leben nahezu alle Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts reflektiert: zunächst in der Zeichnung und Malerei, dann vor allem aber als vollplastisches Werk – ob in Gips und Ton modelliert, in Stein und Alabaster gehauen oder in Bronze gegossen. Der nackten weiblichen Figur gewann er als Bildhauer vielgestaltige plastischen Möglichkeiten ab: Statik und Bewegung, Introvertiertheit und Belebung.
Die Ausstellung verfolgt zwei Ziele: Zum einen soll anhand exemplarisch ausgewählter Skulpturen der zentrale stilistische Einfluss, den die Jahre in Paris auf Fehrles Schaffen ausübten, vertiefend beleuchtet werden – und das zum ersten Mal. Die Präsentation geht vom eigenen Bestand des Museums aus, ergänzt durch Leihaben; vorgesehen sind insbesondere Arbeiten von Wilhelm Lehmbruck und Aristide Maillol. Zum anderen geht es darum, auf das einzigartige Künstleratelier von Jakob Wilhelm Fehrle auf dem Zeiselberg, in dem der Künstler bis wenige Tage vor seinem Tod gearbeitet hat und das heute unter Denkmalschutz steht, aufmerksam zu machen und für dessen Erhalt zu werben.

Biografie:

Jakob Wilhelm Fehrle wurde 1884 in Schwäbisch Gmünd geboren. Nach einer Lehre als Ziseleur in der Firma Erhard & Söhne (1899–1903) ging er zunächst nach Berlin, wo er in der Werkstatt des Bildhauers Wilhelm Widemann arbeitete und an der Kunstakademie bei Paul Friedrich Meyerheim studierte (1904–1905). Auf das Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Balthasar Schmitt (1906–1909) folgte ein Studienaufenthalt in Rom (1909–1910). 1911 zog er nach Paris, wo er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 am Montparnasse ein Atelier unterhielt. Die Zeit in Paris wurde bestimmend für sein späteres Werk. Hier lernte Fehrle nicht nur Künstler wie Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol, Pablo Picasso und Paul Klee kennen, sondern hier fand er „mit offenen Sinnen für das Neue“, so Fehrle rückblickend, zu einer eigenen, charakteristischen Formensprache.

Eröffnung: Freitag, 26. November 2021, 18 Uhr