Şakir Gökçebağ

Museum Ritter Waldenbuch | 19. Oktober 2022 bis 16. April 2023

Şakir Gökçebağ vor “Goldener Schnitt”, 2017/2022 (Ausschnitt) © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Şakir Gökçebağ
Şakir Gökçebağ, A05, 2007, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Şakir Gökçebağ

Şakir Gökçebağ hat in seiner Kunst zu einer erfrischend originellen Spielart des Minimalismus gefunden. Seine Werke bestehen aus einfachen Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Sie entstammen der Massenproduktion und sind vorzugsweise in Baumärkten, Bekleidungs- oder Haushaltswarengeschäften zu finden. Simple Alltagsobjekte wie Kleiderbügel, Regenschirme oder Toilettenpapierrollen arrangiert der Künstler zu subtilen Kompositionen, die sich an der Schnittstelle von Abstraktion und Gegenständlichkeit bewegen.

“Parabol”, 2014 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Şakir Gökçebağ

Auch wenn sich das für eine Arbeit gewählte Ausgangsmaterial teilweise erst auf den zweiten Blick offenbart, ist es Gökçebağ wichtig, dessen Wiedererkennbarkeit und damit seine Identität nicht völlig auszulöschen. Es ist sogar ein wesentlicher Bestandteil seines Konzepts, dass die verwendeten Gebrauchsgegenstände weltweit verbreitet und bekannt sind. Dadurch spricht seine Kunst eine globale Sprache und bleibt lebensnah. Durch die Einbettung in einen künstlerischen Kontext erhalten die banalen Dinge des Alltags eine ungeahnte, neue Aufmerksamkeit, mehr noch: Sie erfahren eine Aufwertung.

Şakir Gökçebağ, Spider, 2016, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Şakir Gökçebağ

Dieser nobilitierende Bedeutungswandel gelingt dem Künstler durch gezielt eingesetzte Strategien der Verfremdung wie Akkumulation, serielle Anordnung und dekompositorische Verfahren, etwa Zerteilen, Zerlegen und Zerschneiden. Trotz ihrer präzisen Ausführung und der strukturellen Strenge ihres Aufbaus sind Gökçebağs Arbeiten keinesfalls bierernst.

“Times Square”, 2010, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Şakir Gökçebağ

Die rund 20 Werke der Ausstellung zeigen vielmehr, dass seiner Kunst stets einer Prise Humor innewohnt, die aus der findigen Metamorphose des Alltäglichen resultiert.