Kunsthalle Tübingen | 28.10.2023 – 03.03.2024 | Sigmund Freud und die Kunst

Vernissage: Freitag, 27. Oktober: 19 Uhr

Hier: Weitere Bilder zur Ausstellung
im kunstportal-bw-Feuilleton:
Vorwort zum Katalog von Nicole Fritz und Monika Pessler: Sigmund Freud und die Kunst

Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hat zu Beginn des letzten Jahrhunderts das Menschenbild revolutioniert. Seine Idee vom »Unbewussten« wurde zum Motor der europäischen Avantgarde seiner Zeit und wie kein anderer prägte er die Kultur des 20. Jahrhunderts. So hatte seine Vorstellung, dass das menschliche Fühlen, Denken und Handeln stark vom Unbewussten beeinflusst ist, zu Beginn des letzten Jahrhunderts die europaweite Künstlerbewegung des Surrealismus mitbegründet. Unter den Expressionist*innen löste seine Seelenkunde eine Suche nach dem Selbst aus.

Bild oben: | Herbert Bayer: Lonely Metropolitan (Einsamer Großstädter), 1973 (1936)
Silbergelatineabzug, 34 x 26,8 cm; Sammlung Klewan;
© VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Plakat: Kunsthalle Tübingen


Mit INNENWELTEN wird eine Überblickschau geboten, die anhand von 50 ausgewählten Positionen internationaler Künstler*innen einen Bogen über eine mehr als 100 Jahre andauernde Rezeptionsgeschichte spannt und die Wirkmacht seiner Konzepte auf die Bildende Kunst mit rund 100 Werken in einem sowohl chronologisch als auch thematisch (Traum/Eros und Thanatos/das Unheimliche) angelegten Parcours präsentiert.

Bild links:
Julie Hayward: Sublimator, 2003
Aluminium, Plexiglas, Schaumstoff, Plüsch, Lackstoff | LENTOS Kunstmuseum Linz
© VG Bild-Kunst, Bonn 2023 | Foto: Heinz Großkopf

Die Ausstellung spürt der Wechselwirkung der Freud’schen Theorien und der Kunst des 20. Jahrhunderts bis heute nach: Von kreativen Verfahren zu Beginn des letzten Jahrhunderts, die die Untiefen des Unbewussten mittels Collage, Frottage oder Rayogrammen zu materialisieren suchten, über die existenzialistischen Ansätze der Nachkriegszeit bis hin zur Konzeptkunst der 1980er Jahre und zu feministischen Positionen der Postmoderne, die das Erbe des Denkmeisters der Psychoanalyse in der Sprache der Kunst mitunter auch kritisch reflektieren. Im Rückgriff auf das Freud’sche Leitmotiv des Unheimlichen machen Künstlerinnen und Künstler seit den 1990er Jahren bis heute dieses für die Gegenwartsbeschreibung produktiv und führen angesichts einer von Krisen und Zerstörung geprägten Gegenwart in ihren Werken vermehrt
verdrängte, verstörende Aspekte unserer Wirklichkeit vor Augen.

Bild rechts: Oskar Kokoschka: Detail aus Die Erwachenden (aus Die träumenden Knaben), 1906 – 8 (Erscheinungsjahr: 1917)
Farblithografie, 24 x 22,9 cm; ahlers collection
© VG Bild-Kunst, Bonn 2023 | Foto: Thomas Ganzenmüller, Hannover

Die Ausstellung und das Katalogbuch sowie ein umfassendes Rahmenprogramm inspirieren zu einem vertieften Blick auf die eigene Innenwelt. Darüber hinaus machen sie aber auch bewusst, in welcher Wechselwirkung wir zu Anderen stehen und dass wir als Einzelne auch die Gesellschaft mitprägen.

Eine Ausstellung der Kunsthalle Tübingen in Kooperation mit dem Sigmund Freud Museum Wien.

Kuratorinnen: Dr. Nicole Fritz und Monika Pessler
Mt freundlicher Unterstützung der Sammlung Helmut Klewan.

[ Hier: Weitere Bilder zur Ausstellung ]

Künstler*innen der Ausstellung: Herbert Bayer, Hans Bellmer, Joseph Beuys, Louise Bourgeois, Victor Brauner, Barbara Breitenfellner, Günter Brus, Heidi Bucher, Gregory Crewdson, Salvador Dalí, Giorgio de Chirico, Paul Delvaux, Maya Deren, Max Ernst, Richard Gerstl, Alberto Giacometti, Walter Gramatté, Julie Hayward, Birgit Jürgenssen, William Kentridge, Käthe Kollwitz, Oskar Kokoschka, Juro Kubicek, Rachel Lachowicz, Robert Longo, René Magritte, André Masson, René Magritte, Hermann Nitsch, Richard Oelze, Hans Op de Beeck, Meret Oppenheim, Man Ray, Arnulf Rainer, Markus Schinwald, Nadja Schöllhammer, Esther Shalev-Gerz, Sammlung Helmut Klewan, Cindy Sherman, Hermann Struck, Raoul Ubac, Umbo, Raphaela Vogel, Kay Walkowiak, Jeff Wall, Franz West, Francesca Woodman, Thomas Zipp, Heimo Zobernig.