Hinkelstein: | Nr. 75 am 31.05.2026 | Die Zukunft wird nicht abgesagt V
Liebe kunstportal-baden-württemberg-Leserinnen und Leser,

Bild links: Tanja Pohl: WHO IS WHO?; 2019 + 2026
Leucht-Objekt
Material: Acrylglas, Epoxidharz, PVC, Elektrik, Sockel (Sperrholz, lackiert)
Größe: 135 x 150 x 50 cm
nun, es war zu befürchten: Die Zukunft erweist sich als nahezu unerschöpfliches Thema: in Teil 3 dieser (noch) kleinen Serie wurde es ja wieder sehr politisch und gerade so geht es jetzt auch wieder weiter: Während das ZKM auf seiner MARS!-Mission die Bedingungen und Möglichkeiten der Gestaltung einer resilienten Gesellschaft (auf dem Mars und damit auch; vielleicht ein wenig zu didaktisch angelegt?) auf der Erde erforscht, haben wir beim kunstportal-bw leider kein Budget für derartige Fernreisen (schon unseren Antrag auf eine spotbillige Dienstreise zum Mond hat der Chefcontroller Ernst (Klon Nr.3) rigoros, ja fast schon entrüstet(!!), abgelehnt.
Wir bleiben daher auf der Erde, wo sich die Zukunft gerade weiter dystopisch entwickelt: Das Palantir-Manifest, Thema des vorletzten Hinkelsteins, hat ja eine umfassende Diskussion ausgelöst, zu recht, denn die KI, die ich angesichts der inzwischen in Billionen zu rechnenden Investitionen, als neues Menschheitsprojekt sehe [wir könnten es, also rein spielerisch, Babylon II nennen) könnte politisch wirksam werden, noch bevor sie (hoffentlich auch) im Sinne einer positiven Rationalisierung wirkt, die unsere Wirtschaft und sogar unsere politische Verwaltungsbürokratie revolutioniert und leistungsfähiger macht:
Wieder sind es so ziemlich zahlreiche – streng intuitiv gemessen: gar zahllose – Informationen und Impressionen, die ich hier in dem insofern neuen journalistischen Format des Hinkelsteins zusammen fliessen zu lassen versuche, was ein wenig chaotisch klingt, was aber ehrlich und wirklich nur daran liegt, dass es ja tatsächlich chaotisch ist, was uns die Nachrichten- und Medienwelt zumutet, wenn es um den Themenbereich – Internet, „Social Media“, technologischer Totalitarismus, usw. – geht.
(Wie) können wir diesem Hagelsturm Hunderter Informationen zum Thema gerecht werden und dabei auf dem Boden des anständigen, guten alten Journalismus bleiben?
Eigentlich eher nicht, aber hauptsache egal: streng willkürlich wählen wir einige der uns überflutenden Meldungen aus, von denen wir glauben, sie in einen Zusammenhang stellen zu können:
Wir bleiben nochmal bei Palantir und den Zukunftsfantasien der Tech-Milliardäre, verbinden dies aber mit einem erst kürzlich gesehenen Film im linearen Fernsehen (ARD): ZERO
Zero ist ein Fernsehfilm von Jochen Alexander Freydank nach der Romanvorlage Zero – Sie wissen, was du tust von Marc Elsberg und wurde am 03. November 2021 im Ersten ausgestrahlt. (Wikipdedia)
Habe selbst diesen Film mit Heike Makatsch in der Hauptrolle am letzten Donnerstag (Ash on my Head) zum ersten Mal gesehen und staune begeistert, wie hervorragend hier (der Film wurde in 2020 produziert!) unsere heutige Wirklichkeit vorweggenommen wurde:
In jedem Fall empfehle ich, diesen Film anzuschauen, auch um mich hier kurzfassen zu können: in Zero hat der übermächtige Social-Media-Konzern „Freemee“ (unstrittig dient hier Meta/facebook als Muster) die Menschen weitgehend unter Kontrolle mit seiner Act-App, die den Menschen sagt (empfiehlt) , was sie tun sollen, was als sehr hilfreich empfunden wird, da es meistens gut funktioniert, den Act-App-Tipps zu folgen.
Schon in einem der legendären ersten Hinkelsteine hatten wir zitiert aus einem Interview mit Eric Schmitt, dem genialen Manager, der Google so erfolgreich gemacht hatte und der, verblüffend, noch heute zu den reichsten lebenden Menschen zählt: „in 5,6 Jahren werden wir von Google erwarten, dass es uns sagt, was wir als nächstes tun sollen“ meinte er vor >=10 Jahren. Heute wissen wir, wie ernst dies gemeint war. In ZERO jedenfalls wird die Act-App weiterentwickelt, bis die neueste Version (Version 7) uns sagt, was wir wollen, was wir uns wünschen. Innerhalb des totalitären Systems dieser Zukunft gelingt es leicht, das, was wir wollen und das, was wir bekommen, perfekt zu synchronisieren – also sind alle zufrieden.
Was will man mehr? Durchaus könnte man dieses Zukunftsszenario, was etwa Freiheit betrifft, als sehr zynisch empfinden, aber na ja: es könnte ja funktionieren …?
Alle wollen, was sie bekommen und bekommen umgekehrt, was sie wollen.
Die eingangs genannte Revolutionierung der Verwaltungsbürokratie hat sich damit auch erledigt, denn Regierungen und Bürokratie und dieser ganze antiquierte Unfug werden nach der Einführung der ActApp Version 7 wohl sowieso abgeschafft.
Der Kettensägen-Experte Javier Milei scheint damit ja in Argentinien sehr erfolgreich: Bürokratie abbauen, Staatsverschuldung runter, Wachstum rauf, Inflation deutlich gesenkt …Man denkt schon manchmal bis immer öfter, dass so was auch unserem – durch den Förderalismus ganz besonders bürokratischen – Deutschland auch recht gut tun könnte.
Anders als Deutschland sind die USA ja nicht als extrem bürokratisch bekannt, und doch hat der (Mist, mir fehlen die Worte: Superheld oder Visionär oder Messias?) Elon Musk sein politisches Engagement zu Beginn der 2. Amtsperiode von Donald Trump wieder aufgegeben: das radikale Bürokratie-Abbau-Programm der Sonderbehörde DOGE, unter Leitung von Elon Musk, hat offenbar nicht nach Wunsch funktioniert – ist aber wohl auch egal:
Denn Elon schwebt in anderen – galaktischen – Sphären: Elon Musks eigentliche Mission ist schon lange und bleibt wohl vorerst auch noch die Besiedlung anderer Planeten – und der Mars ist wohl erst der Anfang: Multiplanetar sind seine Projekte:
Gerade bringt Musk ja seine Firma Space-X an die Börse; ein Börsenwert um die 2 Billionen $ steht im Raum – Elon Musk, der reichste Mensch dieser Erde würde auch der erste Billionär des Planeten. Was ihm, glaube ich, eben nicht egal ist, sondern eine Bestätigung wäre für sein Bewußtsein, ein Auserwählter zu sein mit einer Mission:
„Das unternehmen sieht es als Mission an, Technologien zu entwickeln, die das Leben multiplanetar machen“ und die helfen, „das wahre Wesen des Universums zu verstehen“ …
Für den Fall, dass es ihm gelingt, mindestens 1 Million Menschen dauerhaft auf dem Mars anzusiedeln, hat er sich selbst einen Sonderbonus von 1 Milliarde Space-X-Aktien vorbehalten. (FAS, 24.05.2026; Seite 23)
Offenbar ist es wohl empfehlenswert, jetzt in Space-X zu investieren!

Who is who?
Bild oben: Tanja Pohl: WHO IS WHO?; 2019 + 2026
Leucht-Objekt
Material: Acrylglas, Epoxidharz, PVC, Elektrik, Sockel (Sperrholz, lackiert)
Größe: 135 x 150 x 50 cm
Inzwischen schwerelos durchs Büro schwebend, wird mir langsam etwas schwindlig und so klammere ich mich fest an meinen Schreibtischstuhl; mit Seitenblick auf meinen Bildschirm entdecke ich, dass ich ja gestern für den Schluss des heutigen Hinkelsteins ganz besondere und zum Thema genau passende Bilder habe: die Künstlerin Tanja Pohl setzt sich schon seit Jahren intensiv auseinander mit den Themen Digitalisierung (und „Avartarisierung“?) von uns Menschen:
Unser sicherer Tipp: investieren Sie in natürliche Intelligenz (heute schon seltener als die seltensten Erden; der Kurs wird durch die Decke gehen!).
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