Hinkelstein 76 | 14.06.2026 | Das Freie Internet ist zurück

Hinkelstein: | Nr. 76 am 31.05.2026 | Die Zukunft wird nicht abgesagt VI

Liebe kunstportal-baden-württemberg-Leserinnen und Leser,

„Das Freie Internet ist zurück“ – was soll das jetzt, wird mancher fragen. OK, ich gebe ja zu: manchmal fällt es mir schwer, den Überblick zu behahlten, wobei sich dann gleich die Frage aufdrängt, ob ich ihn, den Überblick, überhaupt zuvor (jemals? grundsätzlich?) gehabt habe. Gut dass der Hinkelstein ja im kunstportal auch archviert wird, so das jeder alles einfach nachschlagen kann, so wie früher, als ja sowieso fast alles besser war:

Bild oben: Photographie von Paul Blau

Tatsache ist: die „Hinkelstein-Unter-Serie“ Die Zukunft wird nicht abgesagt (gestartet im Hinkelstein Nr. 70 vom 22.03.2026 !) , die eigentlich als einmaliges Zwischenspiel gedacht war, hat eine erfrischende Eigendynamik entwickelt und erstreckt sich inzwischen, diese hier vorliegende Folge VI eingeschlossen, auf inzwischen 6 Hinkelsteine. Und schon bei der ersten Fortsetzung (also Folge 2, jawoll, stimmt) hatte ich geplant, diese Unter-Serie bald zu beenden – mit eben dem diesem heutigen Thema, dem Freien Internet.

Das Freie Internet, das die heute jungen Leute kaum mehr/noch gar nicht kennen, wenn sie nicht zufällig jüngere Mediengeschichte studieren (gibt es dieses Studienfach überhaupt schon?), eignet sich ideal zum Abschluß unserer Zukunftsserie: Das freie Internet nämlich ist Vergangenheit und Zukunft zugleich , was, wie wir ja wissen, möglich ist seit Doc Emmett Brown in „Zurück in die Zukunft“ den Flux-Kumpensator erfunden und damit Zeitreisen überhaupt erst möglich gemacht hat.

Mit diesem Film con Robert Zemeckis und auch mit den Anfängen des Internet sind wir sogar schon im Fachbereich der älteren Mediengeschichte: ganz früher nämlich, als das Internet (als „Arpanet“) beim amerikanischen Militär (1969) geboren und dann schnell in der internationalen Wissenschaft groß wurde, gab es nur das Freie Internet.

Erst nach der Abschaltung des Arpanet in 1990 und mit der Erfindung von WWW, html und Browsern begann die dann folgende Phase der massenhaften Nutzung (den frühen „Netscape“-Browser konnte im Grunde jeder bedienen: Es war neu, interessant und sogar (wenn man das veradmmte Modem endlich „zum Laufen gebracht“ hatte) recht einfach, so dass es nicht lange dauerte, bis auch die umfassende Kommerzialisierung des Netzes begann und die Basis gelegt war für das „Unfreie Internet“ (heute weitgehend gleichbedeutend mit dem was wir „Social-Media“ zu nennen gelernt haben.

Mitte der 90er Jahre wurde das Netz zunehmend von Privatpersonen genutzt, erste Portale wurden entwickelt – als ultimativer medienhistorischer Meilenstein gilt unter Experten bis heute die Gründung des global ersten Internet-Kunstportals: Zunächst unter dem Arbeitstitel „SWO – die Virtuelle Kulturregion“ startete ein deutscher Existenzgründer dieses Projekt, das dann umfirmierte zum kunstportal-baden-württemberg. Bis heute und sicher auch noch weit in die Zukunft hinein lebt das kunstportal-bw, das gerade erst am 01.05.2026 den 30. Geburtstag feiern durfte – immer weiter im Freien Internet – und somit mit Vorteilen, die sich der heutige facebook- oder Instagram-User wohl kaum vorzustellen vermag:

Im Freien Internet nämlich kann jeder (jedenfalls seit es Telefon-Flatrates gibt) solange surfen wie er will und alle Internet-Seiten im Freien Internet waren und sind eben frei , für jeden jederzeit und kostenlos zugänglich – man muss keinen Account einrichten (mit Username und Password und nicht selten auch gleich den Bankverbindungsdaten, über die dann monatliche Gebühren abgebucht werden, die (etwa bei facebook oder Instagram) fällig sind, wenn man die Angebote der nun „soziale Netzwerke“ genannten Shopping Malls auch noch ohne tönende, blendende, oder anderweitig (ver-) störende Werbung anschauen will. Denn tatsächlich war das damalige Freie Internet auch frei von Werbung – und ist dies oft noch heute, wie etwa Wikipedia oder das schon erwähnte legendäre kunstportal-bw beweisen.

Nachdem sich die Social-Media nicht allein durch exzessive, als belästigend empfundene Werbung – etwa überraschend aufpoppende Werbewindows, in denen ein Video-Werbespot den Text verdeckt, den man gerade zu lesen begonnen hatte – unbeliebt gemacht haben, sondern auch durch weitere Nebenwirkungen noch weiter in Verruf geraten sind: Wir hatten ja in früheren Hinkelsteinen schon vielfach berichtet über die Gefahren der Abhängigkeit von ständiger Handy-Verfügbarkeit und dem dauernden Zugriff auf Social-Media Dienste wie facebook oder zuletzt verstärkt TikTok. Überall, auch in Deutschland, wird das Verbot der Social Media wenigstens bis zu einem bestimmten Alter diskutiert. Unabhängig davon, ob, wann und was genau hier entschieden wird und auch unabhängig davon, ob und wie solche Verbote dann durchgesetzt werden können: wir können heute schon klar erkennen:
Die Ära der „Social Media“ ist vorbei. Seitdem diese -aus heutiger Sicht wohl im Jahr 2023 ihren Zenit überschritten haben, beginnen auch die Nutzerzahlen langsam, abzubröckeln.

Längst häufen sich die Schlagzeilen zumThema:

„Die Social-Media-Ära ist vorbei, Social ist nicht mehr social“ – Sarah Kübler über Content und Community. | turi2

Future Echo: Das Ende Von Social Media (wie wir es kennen)

Zu den schon genannten Gründen (Überkommerzialisierung, Werbeüberflutung, Suchtabhängigkeiten insbesondere bei Jugendlichen) kommen aktuell noch weitere , politische Gründe hinzu:

Gerade die (für Desillusionierungen aller Art bekannte) Trump-Regierung hat sehr dabei geholfen, dass wir uns dieser Risiken endlich bewußt werden:
Wenn etwa bei einem politischen Streit um die Besteuerung der amerikanischen Werbegewinne von Google und facebook etc. oder um die Urheberrechte der europäischen Kreativen die USA (die Regierung Donald Trump) entscheiden, Instagram, facebook etc. in Europa abzuschalten, verschwinden die facebook- und die instagram-Seiten der Künstler und der Museen. Und was wird aus all den vielen Bildern, die wir massenhaft von unseren Smartphones in – fast immer amerikanische (Google oder Instagram-) Clouds uploaden?

All diese Risken, an die wir uns in der Zeit der Social Media gewöhnt haben, gab und gibt es im freien Internet so nicht.

Hinzu kommt, dass es weiterhin unausgeschöpfte Potentiale des Internet gibt, auf die uns teilweise die Social Media schlicht den Blick verstellt haben: in den sozialen Medien haben wir uns daran gewöhnt, Kommunikation „monodirektional“ zu denken: Leader-Follower-Verbindungen sind hier dominant, was auch die im Hinkelstein ausführlich diskutierten politischen Gefahren – in Richtung eines („Big-Brother“-) technologischen Totalitarismus, wieder ins bild bringt.

Tatsächlich aber ist das Internet ein ideales Medium für echte Kommunikation, die hier stattfinden kann in (früher sogenannten Newsgroups, die es bis heute auch im freien Internet noch gibt) oder eben auf Themen Portalen.

Wir sind davon überzeugt:

– das Freie Internet ist zurück
– die Zukunft wird nicht abgesagt, nein: sie beginnt gerade erst.

Darüber könnten wir sicher streiten, aber unabhängig von all dem politischen Zeugs bleibt doch eines sicher:

Kunst geht weiter.

Wie und vielleicht auch, wohin kurzfristig, dazu haben wir wieer Anregungen in unseren guten Nachrichten am heutigen Sontag, dem 14.06.2026:

Neu am 14. Juni 2026: | Künstler: | 20.06. – 08.08.2026 | Mischa Kuball u.a. | Gruppenausstellung Alley Cats bei Ruttkowski; 68 in New York | Eröffnung: Do, 19.06.2026; 18 Uhr: | Mischa Kuball: Alley Cats
Neu am 14. Juni 2026: | Kunsthalle Baden-Baden | 13.06.2026 – 10.01.2027: | Sonderausstellung der Kunsthalle Baden-Baden: | „Bloom up! Die Sprache der Blumen“ | Neu: „Foto-Impressionen der Ausstellung von Uli Deck“
Neu am 14. Juni 2026: | Newsletter Hinkelstein: | Nr. 76 am 14.06.2026 – Das Freie Internet ist zurück

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Städtische Galerie „Fähre“ Bad Saulgau | 14.06.2026; 19 Uhr | Klassik im Alten Kloster: | Highlight zum Abschluss der Konzertsaison: | Michael Rettig & Clovis Michon aus Bremen mit „Time – Silence oder Bilder der Unendlichkeit“ in Bad Saulgau
Galerie Julia Philippi Dossenheim | 14.06. – 30.08.2026 | Eröffnung: 14.06.2026; 12 – 17 Uhr | Klaudia Stoll – #ichfindemichheutesofremdindieserwelt

Künstler: |
14.06. – 04.10.2026: | Günter Wagner | Donaueschingen  Museum Art.Plus
14.06. – 05.07.2026 | franz E hermann | Kunstraum Neureut | Eröffnung 14.06.2026; 14 Uhr: | franz E hermann: | Umdeutungen
14.06. – 19.07.2026 | Holger Fitterer | Künstlerkreis Ortenau | Eröffnung mit Künstlergespräch: So, 14.06.2026; 11 Uhr: | „Was du siehst ist meine Sicht“
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